We don’t need no education

 

„Kindheit war der Keim allen Misstrauens… Schulen sollten den Charakter prägen, indem sie die Kanten abschlugen…aber das Ergebnis war nicht Charakter…sondern Formlosigkeit wie ein Exponat im Museum of Modern Art.“ Graham Greene, Unser Mann in Havanna

 

„Soll das heißen, dass die traditionellen Schulen kleinen Gefängnissen gleichen? Ersticken sie nicht jede Regung von Phantasie, verkrüppeln sie die Kinder nicht nur geistig, sondern auch körperlich, basieren sie nicht auf diversen Formen offenen und verkappten Terrors? Natürlich lautet die Antwort uneingeschränkt ja, aber solche Schulen sind notwendig, um die Menschen auf ganz gewöhnliche Büros oder Fabriken vorzubereiten, die ebenfalls kleinen Gefängnissen gleichen, die die Phantasie unterdrücken, Menschen geistig und körperlich verkrüppeln und mit Angst und Schrecken arbeiten (wenn sie etwa den Verlust von Bio-Überlebensscheinen in Form von Gehaltsschecks und Anstellungsverhältnissen androhen).“ Robert Anton Wilson, Der neue Prometheus

 

Von August Bebel stammt angeblich der Satz: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Wer das allgemeine Schul- und Erziehungswesen in seiner aktuellen Form verstehen und gestalten will, muss sich mit seiner Vergangenheit, seiner Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte beschäftigen. Denn auch das moderne Schul- und Erziehungsmodell ist nicht vom Himmel gefallen und hat eine eigene spezifische Geschichte.

Es hat seine Wurzeln in den Fabrikgesetzgebungen des 19. Jahrhunderts, also in der Frühzeit des industriellen Maschinenzeitalters. Aufgrund der zunehmenden Maschinisierung in den Werkstätten, verdrängte die sogenannte Weiber- und Kinderarbeit sukzessive die männlichen Arbeiter aus den Fabrikhallen. Ermöglicht wurde dies durch die Mechanisierungsschübe und die damit einhergehende Dequalifizierungstendenzen in den Arbeitsstätten. Der maßlose Einsatz von unqualifizierten und billigeren Arbeitskräften in Gestalt von Kindern und Frauen hatte nicht nur Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Löhne.

Die militärischen Institutionen des Staates beklagten sich zusehends über die geistigen, gesundheitlichen und körperlichen Mängel der angehenden Rekruten. Diese waren Folge der exzessiven Kinderarbeit. Also wurde als Reaktion auf diese staatlicherseits der erste Zwangsunterricht für Arbeiterkinder eingeführt und später die allgemeine Schulpflicht. Der Staat meldete das Recht des Erstgeborenen gegenüber der industriellen Kapitalistenklasse bei der Massenverwertung des kindlichen Bevölkerungsanteils an. Kurze Randbemerkung: Der Kampf und die Umgehungsstrategien der Fabrikherren gegen diese ihre Freiheit einschränkenden staatlichen Zwangsmaßnahmen füllen Geschichtsbände.

Die äußeren und inhaltlichen Formen der Schulen entsprachen nur dem Schein nach dem militärischen Modell. Dieses Modell diente nämlich der modernen Fabrikorganisation als Vorbild. Ihrem Wesen nach waren und sind das moderne Schul- und Erziehungssystem immer noch der Fabrikorganisation nachempfunden und darauf abgestimmt. Auch wenn es der Aufsicht des Staates untersteht. Das obligatorische Klingeln für Beginn und Ende von Unterrichtsstunden und Pausen ist der offensichtlichste Beweis für die Orientierung an der Fabrik. Sinn und Zweck dieser neuen Disziplinierungs- und Zurichtungsanstalten war und ist es leider immer noch, konforme und gefügige Individuen für Wirtschaft und Staat zu produzieren. Die Religion, die am Anfang noch die Dritte im Bunde spielte, hat im Laufe der Zeit ihr Machtstellung eingebüßt.

So alt aber wie das moderne Schul- und Erziehungswesen ist, ist auch die Kritik daran. Nicht nur die von Unternehmerseite, sondern vor allem die von sozialliberaler und libertärer Seite. Denn die Mär vom humboldtschen Bildungsideal war, wenn überhaupt den Nachkommen des aufsteigenden Bürgertums vorbehalten. Die Bildungsziele der allgemeinen Volksschulen waren in der Regel sehr begrenzt und beschränkten sich auf ein Minimum von Lesen, Schreiben und Rechnen. Vorrangig war das Erlernen von Disziplin und Gehorsam.

Genau an dieser Stelle setzte die Kritik der sozialliberalen und libertären Kräfte an. Sie waren die Vorläufer und eigentlichen Treiber der Reformpädagogik. Inspiriert von antiautoritären und sozialistischen Werten und aufklärerischen und rationalen Weltbildern drehte es sich bei ihnen um die Erziehung mündiger Individuen. Das propagierte und angestrebte Schul- und Erziehungssystem sollte ein Bildungssystem im wahrsten Sinne des Wortes sein.

Das Wort Bildung, welches es in dieser Form und Bedeutung nur im Deutschen gibt, geht auf den Mystiker Meister Eckhart zurück. Er meinte damit die Gottwerdung des menschlichen Subjekts durch Aufhebung der weltlichen Entfremdung. Über die Aufklärung und den deutschen Idealismus wurde es dann zum humboldtschen Bildungsideal. Seine ursprüngliche Bedeutung des Sich Bildens zwecks persönlicher Vervollkommnung hat es aber beibehalten. Wenn auch im humanistischen Sinne. Die Ausbildung von Persönlichkeit und Individualität sollten Sinn und Zweck von Schule und Erziehung sein. Erst dann könne von wahrer Bildung geredet werden.

Die Wirklichkeit des gegenwärtigen Schul- und Erziehungssystems ist von diesen Idealen mehr als nur weit entfernt. Es hat mit dieser Tradition schon lange gebrochen. Steigender Leistungsdruck und wachsende Ungleichheit gehen konform zur Entwicklung in der Arbeitssphäre. Die angebliche Bildung wird immer mehr zur Ware. Nicht Lernen, sondern konsumieren von Lerninhalten prägen den Schulalltag. Das G8-Modell und der Bologna-Prozess führen zur systemischen Angst aus dem gesellschaftlichen Hamsterrad zu fallen. Vor allem die besorgten Eltern hat diese Angst ergriffen. Der äußerliche Konkurrenzdruck wird bereits als epigenetische DNA an die Kinder vererbt und zum immanenten Permanenzdruck. Die Entwicklung, Lerninhalte und Lernformen einseitig unternehmerisch auszurichten und zu gestalten, führen das komplette System ad absurdum. Es wird Zeit dem etwas entgegenzusetzen.

Dies hat sich das Projekt AUGENHÖHEmachtSchule angeblich auf die Fahnen geschrieben.

Die allgemein gefasste Eigenbeschreibung und das Projektziel lesen sich gut. Hier und da scheinen demokratische und humanistische Bildungsideale durch. Das System Schule soll von allen Blickwinkeln betrachtet werden. Wirklich von allen? Werden beispielsweise auch libertäre Ansätze und Projekte wie die Demokratische Schule X oder das SFE in Berlin zu Wort kommen? Oder die reformpädagogischen Ansätze der Sophie-Scholl-Schulen?

Werden die Diskrepanzen zwischen Kompetenzentwicklung fürs Berufsleben und Bildung im ursprünglichen Sinne thematisiert? Es wäre schön, wenn dies so wäre. Es würde nicht nur den Horizont erweitern, sondern auch der Glaubwürdigkeit dienen. In diesem Sinne wir brauchen weniger Erziehung und mehr Bildung.

„Entwicklung lebendiger Gehirne, die fähig sind, auf äußere Eindrücke zu reagieren, die immer Feinde aller Vorurteile sein werden; Erwecken von freien, festbegründeten Geistern, die über alle Dinge und Erscheinungen des Lebens sich ihre eigene Meinung bilden können.“ Francisco Ferrer, Die Moderne Schule

 

Einführung in die Kybernetik

Einführung in die Kybernetik. unter besonderer Berücksichtigung von technischen und biologischen Wirkungsgefügen. Lehrbuch für Studenten aller Fachrichtungen

Die Begriffe der Kybernetik und Informationstheorie nehmen im wissenschaftlichen wie im populären Schrifttum einen immer breiteren Raum ein. Für die moderne Technik sind sie zur Voraussetzung geworden, aber sie finden sich ebenso in den Lehrbüchern der Biologie und Physiologie wie in soziologischen, volkswirtschaftlichen und erkenntnistheoretischen Arbeiten. Und auch die Phantasie entzündet sich an den neuen Denkwegen! Nicht nur Erkenntnis, sondern auch Macht verspricht sich der modern Mensch von dieser Wissenschaft, die, übersetzt, die Steuermannskunst heißt. Die Information ist heute ein hart umkämpftes Gut. Man spricht vom Anbruch eines kybernetischen Zeitalters, von dem man ungeahnte Möglichkeiten der Manipulation erwartet, und von dem manche die Verwirklichung der
künstlichen Intelligenz erhoffen. Artificial intelligence, AI, ist bereits ein Fachausdruck geworden. Begriffe, die im Rahmen einer recht abstrakten Wissenschaft entstanden sind, haben über Nacht eine allgemeine Bedeutung gewonnen.

Das vorliegende Buch, das aus Vorlesungen hervorgegangen ist, hat sieh die Aufgabe gestellt, ohne mathematischen Aufwand eine klare und möglichst präzise Vorstellung von den Grundbegriffen und Denkwegen der Kybernetik und Informationstheorie zu vermitteln. Es ist für diejenigen gedacht, die nicht Spezialisten sind, die aber diese Denkmittel im Rahmen ihrer Fächer kritisch verstehen und sinnvoll verwenden
wollen.

Sachsse, Hans: Einführung in die Kybernetik : unter besonderer Berücksichtigung von technischen und biologischen Wirkungsgefügen. Lehrbuch für Studenten aller Fachrichtungen. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2013.

Anthropologie der Technik

Anthropologie der Technik. Ein Beitrag zur Stellung des Menschen in der Welt

Heute spüren wir, daß wir mit dem unbekümmerten technischen Fortschritt, für den das Neue auch schon der Bessere bedeutet, auf eine Grenze stoßen, daß wir dabei sind, uns eine Wirklichkeit zu schaffen mit Sachzwängen und Problemen, in der wir uns immer weniger zurechtfinden. Es genügt nicht mehr zu erkennen, was sich mit Hilfe der Technik alles machen läßt, sondern es bedarf einer Besinnung auf die Funktion, auf den Rang, auf die Bedeutung der Technik für den Menschen, es bedarf einer Techniktheorie in anthropologischer Sieht.

Sachsse, Hans: Anthropologie der Technik : Ein Beitrag zur Stellung des Menschen in der Welt. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2013.

Der Baum der Erkenntnis

Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens

Der alten darwinistisch geprägten Biologie zufolge überlebt ein Lebewesen nur dann, wenn es sich möglichst perfekt seiner Umwelt anpasst. Es wäre damit sklavisch abhängig von einer objektiven Außenwelt. Für Maturana und Varela gibt es jedoch keine „objektive“ Wirklichkeit. Wenn Grunderfordernisse des Lebens erfüllt sind, haben lebende Systeme alle Freiheit, sich ihre Welt selbst zu schaffen, anstatt bloß auf Vorgegebenes zu reagieren. Für den Menschen gilt das natürlich in besonderem Maße. Das Subjekt ist somit entscheidend an der Schöpfung seiner nur scheinbar objektiven Wirklichkeit beteiligt. Die neue Bezeichnung von Leben, wie es die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela definiert haben, ist Autopoiesis, was soviel heißt wie: sich selbst schaffen. Die in der Menschheitsgeschichte von Weisen, Mystikern und Philosophen erkannte Einheit von Subjektivität und Objektivität, von Ich und Welt, von Bewusstsein und Sein, wird von Maturana und Varela klar bestätigt und mit naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen belegt.

Maturana, Humberto R. ; Varela, Francisco J.: Der Baum der Erkenntnis : die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. 6. Aufl.. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2009.

Information ist Energie

Information ist Energie. Definition eines physikalisch begründeten Informationsbegriffs

In diesem Buch wird ausgehend vom Shannonschen Entropiebegriff ein objektiver, dynamischer und physikalisch begründeter Informationsbegriff erarbeitet und auf die Informationstechnik und Thermodynamik angewandt. Die Begründung eines Informationserhaltungssatzes wird praktische Bedeutung in der Informationstechnik erhalten, insbesondere wenn sie in den Bereich der Quanten (Photonik/ Quantencomputing) arbeitet. Die unbedingte Dynamik von Information und die Objektivität der Information wird ebenfalls vertieft und behandelt.

Pagel, Lienhard: Information ist Energie : Definition eines physikalisch begründeten Informationsbegriffs. 1. Aufl.. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2013.