Zeig mir deine Gesinnung, …

…und ich sag dir was dein Schicksal ist.

Die Gesinnung bezeichnet im PnP-Rollenspielkontext die moralische Weltanschauung eines Spielcharakters. Dies lässt sich auch auf das Real Life übertragen. Hier steht Gesinnung für die emotionale Motivation aus dem der Handlungswille einer Person entspringt. Oder frei nach dem Talmud, deine Gesinnung wird zu deinem Charakter und somit zu deinem Schicksal. Somit sagt die Gesinnung mehr über ein Individuum aus, als seine Vita oder eine klassische „Über mich Seite“.

Meine Gesinnung ist ganz klar eine Nonkonformistische wie es der Untertitel des Blogs ja schon besagt. Was bedeutet das aber eigentlich? Nonkonformismus wird gemeinhin als eine einfache Antihaltung verstanden. Dies ist jedoch eine ungerechte Verkürzung. Natürlich stehen nonkonformistische Individuen den herrschenden Meinungen, Wahrheiten, Realitäten etc. nicht nur ablehnend gegenüber. Sie stellen den gesellschaftlichen Status quo, den mehrheitlichen Konsens und die herrschenden Normen sogar radikal in Frage. Sie stehen althergebrachten Denkmustern kritisch gegenüber und ziehen es vor eingetretene Pfade zu verlassen. Aber warum tun sie das?

Bleiben wir beim Rollenspielkontext. Weil ihre Gesinnung nun einmal „chaotisch gut“ ist. Sprich sie vereinen ein gutes Herz mit einem freien Verstand. Somit ist ihre innere Haltung zutiefst aufklärerisch und emanzipatorisch im libertär humanistischen Sinne. Denn sie haben bewusst oder unbewusst den Kategorischen Imperativ (von Kant über Marx bis Jonas) soweit verinnerlicht, dass sie nicht anders können, als an ihrer parrhesiastischen Überzeugung festzuhalten.

In offenen Gesellschaften gehören nonkonformistische Individuen selbstverständlicherweise dazu, aber in geschlossenen Gesellschaften überhaupt nicht. Aus diesem Grund werden und wurden nicht nur ihre Ideen und Ansichten, sondern auch sie selbst stets angefeindet und verfolgt. Sie waren und sind nicht nur die modernen Ketzer und Häretiker ihrer Zeit, die Protagonisten der Unruhe, die Subjekte des Aufbegehrens, der Rebellion gegen die Normalitätszumutungen des Herdentriebs. Sie waren und sind auch die treibenden, transformierenden, kreativen Kräfte des kulturellen und sozialen Wandels, von Innovationen und Veränderungen, von Paradigmenwechseln und alternativen Sichtweisen auf die gesellschaftlichen Realitäten. Sie allesamt waren und sind nonkonformistische Individuen.

Eine nonkonformistische Geisteshaltung ist eine existentielle Notwendigkeit, insbesondere in geschlossenen Systemen. Denn Isolation bedeutet nun mal Stagnation und hat unausweichlich den thermischen Tod zur Folge. Also ohne Veränderung, ohne (Weiter-) Entwicklung, keine Zukunft, kein Leben.

Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe. Die menschliche Spezies ist aktuell an einen zivilisatorischen Punkt angelangt, an dem eine Richtungsänderung hin zu mehr solidarischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit nicht nur möglich, sondern mehr als nötig ist.

Aus diesem Grund möchte dieser Blog einen bescheidenen Beitrag zum Flügelschlag des Schmetterlings der Veränderung leisten. Er sieht sich in der nonkonformistischen Tradition der ersten Nerds und Hacker der Spezies Homo über die verschiedenen Aufklärungs- und Emanzipationsbewegungen der Antike und der Neuzeit bis zu den Gegenkulturen des 20. Jahrhunderts.

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